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03.2007 -- biologen heute AUS DEN ARBEITSKREISEN/BIOMEDIZIN/ V 3_21007 / S.27


AK BIOMEDIZIN:
„STAMMZELLFORSCHUNG IN DEUTSCHLAND“,
MDB RÖSPEL IN BIELEFELD

Am 2.4.2007 fand in Bielefeld die diesjährige Tagung des Arbeitskreises Biomedizin statt. Der Leiter des Arbeitskreises, Prof. Dr. Klaus Peter Bader, begrüßte mit René Röspel MdB den Vorsitzenden der Enquête-Kommission „Ethik und Recht der Modernen Medizin" des 15. Dt. Bundestages und Bundestagsabgeordneten der SPD als hochrangigen Hauptredner des Abends. Thema des Vortrags, der in Kooperation mit dem Kreisverband Bielefeld des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises im NRW-GPA stattfand, war „Stammzellforschung in Deutschland - Ethik oder Wettbewerb".

Vorstand gesundheitspolitischer Arbeitskreis (GPA)

Im Bild: MdB René Röspel (SPD; links) und Prof. Dr. Klaus Peter Bader.

Nach Einführung in die Thematik und Materie von PID, PND, Forschungs- und Reproduktionscloning stellte René Röspel die verschiedenen wissenschaftlichen, aber auch gesellschaftspolitischen Positionen vor. Entsprechend seinem persönlichen Standpunkt sei die sog. embryonale Stammzellforschung in Deutschland zu Recht nicht erlaubt, nicht nur, weil weltweit sowohl klinische Studien als auch anwendbare „Programme“ bisher keineswegs in der erwarteten Form verifiziert werden konnten. Anders verhalte es sich nach Ansicht des Referenten mit der Forschung an sog. adulten Stammzellen, bei der auch die oft diskutierten ethisch-moralischen Gegenargumente per se entfielen. Gerade in diesem Bereich gebe es, entgegen der publizierten Meinung, etliche nachweisbar erfolgreiche klinische Studien und schließlich auch die ausdrückliche Legalisierung durch den Gesetzgeber. Deutschland hätte gut daran getan, aus ethischen Gründen die embryonale Stammzellforschung zu verbieten.

Die relative Einfachheit des Forschungsklonens, das häufig unkorrekt als therapeutisches Klonen bezeichnet werde, über die Möglichkeit des Zell- und Organersatzes ohne immunologische Probleme dürfe nicht über die Schwierigkeiten hinwegtäuschen. Neben dem „Embryostatus" der Zellkonstruktion werde „alte DNA" verwendet und ferner der „Einstieg" in das reproduktive Klonen erleichtert.

Im Bereich der Forschung an und mit adulten Stammzellen wurde erfolgreich gezeigt, in welchem Ausmaß sich Stammzellen aus menschlichen Hoden zu Herz- und Skelettmuskel-, Knochen- und Nervenzellen sowie zu insulinproduzierenden Zellen entwickeln können. Der Einsatz adulter Haarzellstammzellen im Bereich der (akuten und chronischen) Wundversorgung sei mittlerweile kurativ so erfolgreich, dass die darauf basierende Therapie in der Schweiz von Krankenkassen bezahlt werde.

Gerade auch die zwischenzeitlich häufig als „Rechtfertigung" für PID in der Praxis genannten Krankheiten wie Trisomie 21, Morbus Huntington oder die zystische Fibrose würden aktuell völlig anders bewertet, vor allem in Hinblick auf mögliche „Konsequenzen“ einer entsprechenden Diagnostik vor Implantation. Neben der „Tötung“ einer embryonalen Stammzelle, die in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten ist, gebe es eine ganze Reihe ernstzunehmender und ungelöster Probleme in diesem Bereich wie die prinzipielle Schwierigkeit der Erstellung eines „Indikationskataloges schwerwiegender Krankheiten“ (s.o.) und Befürchtungen in Richtung eines Dammbruchs hin zur „Routineuntersuchung".

In der fast 2-stündigen Diskussion im Anschluss an das Referat von René Röspel wurden sowohl Zustimmung hinsichtlich der moralischen Haltung signalisiert als auch verschiedene Bedenken geäußert. Problematisch sei durchaus die Frage, ob „competition“ und „ranking“ gesellschaftspolitische und ethische Überlegungen in der Form ersetzen sollten, wie das heute oft der Fall sei. Geradezu als Heuchelei könnte allerdings eine mögliche Nutzung von aus embryonaler Stammzellforschung in anderen Ländern gewonnenen Erkenntnisse in Deutschland die aktuellen ethischen Argumente erscheinen lassen.

Grundlagenforschung, so der allgemeine Tenor des Auditoriums, lasse sich grundsätzlich nicht aufhalten, müsse aber auch gesellschaftspolitisch begleitet werden.

Klaus Peter Bader

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Institut für Biomedizin und Umweltconsulting (IFBUC)

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